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Relevanzverlust – wieder Rekordaustritte.

Ein Interview mit Prof. Zulehner, Wien.

 
 
Liebe Freunde von Kirche & Wirtschaft,
 
als ich Anfang der 90ger Jahre für eine Zeit bei der damaligen Bayrischen Hypotheken und Wechselbank in London arbeitete, habe ich auch anglikanische Gottesdienste besucht.
Mich interessierten die verschiedenen liturgischen Strömungen und ich suchte eine Abwechslung zu dem mir gewohnten, „südbairisch- katholischen Kirchentum“.
Mein Weg führte mich auch eines Sonntags in die St. Pauls Cathedral. Ich erinnere mich noch an den einleitenden Gedanken des Predigers: „For most people, church is simply the building next to the supermarket“. Diese Worte sind mir geblieben und ich habe oft an sie gedacht.
Hier wird bereits die heutige Situation der beiden (noch) Volkskirchen beschrieben. Und der Erosionsprozess schreitet mit gewaltigen Schritten voran. Bedenkt man die negative Alterspyramide der Mitglieder – es sind in der Regel die Jungen, die austreten – so ergibt sich ein düsteres Bild. Gut 400.000 Menschen haben die katholische Kirche heuer wieder verlassen. Zieht man die Todesfälle (nicht die der kirchlichen Bestattungen) von den Taufen ab, kommt man sogar auf gut 590.000 Personen. Die Zahl von 20 Millionen Mitgliedern dürfte also bald unterschritten werden.
 
So schlimm die Missbrauchsfälle auch sind – jedes Vergehen ist eines zu viel. – so sind diese nicht der letzte Beweggrund, sondern diese haben nur eine beschleunigende Wirkung, die den Austrittsentschluss des Einzelnen bestärken. Gleiches gilt für den synodalen Weg. So berechtigt die Anliegen im Einzelnen sein mögen, sie betreffen letztlich Struktur- und keine Glaubensfragen (weshalb sie auch verhältnismäßig leicht zu lösen wären). Ich will auf etwas anderes hinaus und ein Beispiel geben: Ein überzeugter Fan eines renommierten Fußballclubs – sagen wir des FC Bayern - würde sich bei ähnlichen Vorwürfen ärgern, mitunter enttäuscht sein, aber er würde nicht austreten! Und damit ist uns ein Schlüsselbegriff an die Hand gegeben: Überzeugtsein. Gerade daran dürfte es mangeln.
 
Warum soll einer irgendwo zahlendes Mitglied sein, wenn man sich der Gedankenwelt der Einrichtung über die Jahre immer mehr entfremdet hat? Dies drückt sich u.a. darin aus, dass jemand sich die Frage selbst nicht beantworten kann, welche Relevanz Kirche in seinem eigenen Leben überhaupt hat bzw. je hatte.  Dasselbe dürfte auch für den Gottesbegriff gelten. Freilich sind Gott und Kirche nicht dasselbe, jedoch schlägt sich der Glaube an Gott (zumindest im christlichen Verständnis) stets in einer Art „Kirchlichkeit“ nieder. Das Kulturchristentum ist oft die letzte Stufe vor einem Austritt.
 
Gott und Kirche im christlichen Kontext erleben derzeit einen maximalen Bedeutungsverlust. Daran ist nicht zu rütteln. Zumindest gilt dies für Menschen, die in einem europäischen Kontext sozialisiert wurden. Die Kirchenleitungen und Universitäten sind angehalten die Frage nach der eigenen Relevanz zu beantworten, wenn die Zahlen nicht ins Bodenlose schrumpfen sollen.
 
Einer, der sich dieser Frage gestellt hat, ist der emeritierte Universitätsprofessor Paul Michael Zulehner. Dieser kam vor einigen Wochen nach Mannheim und ich habe dies zum Anlass genommen, ihn um ein Interview zu bitten.
Zulehner, geboren 1938 in Wien, gehört zu den anerkanntesten Vertretern seiner Zunft. Sein theologisches Denken wurde durch sein priesterliches Wirken mitbestimmt und fand so auch eine Erdung im Alltag des Menschen. Sein neuestes Buch hat den Titel „Hoffnung für eine taumelnde Welt“ und ist 2024 im Grünewald Verlag erschienen.
 
 
Hier geht’s zum Gespräch mit Prof. Zulehner:
 
Seien Sie herzlich gegrüßt
 
und bleiben Sie der „Sache Jesu“ treu!
 
Auch wenn es manchmal schwer fällt.
 
     Ihr Andreas Gröpl